Beziehungen

bedingungslose Liebe

L i e b e ist wohl die stärkste Emotion, die der Mensch empfinden kann. Wir werden niemals Jemanden so sehr hassen wie wir ihn lieben können. Liebe ist bloß ein kleines Wort mit fünf Buchstaben, jedoch mit großer Bedeutung. Dem Einen geht es leichter über die Lippen, ein anderer tut sich damit schwer und ein Dritter findet dieses Wort wohl möglich überspitzt, verbindet dies vor allem mit negativen Dingen und meidet es aus diesem Grund. Manch einer hat den Gedanken an Liebe wohl möglich über den Haufen geworfen, oder ganz im Gegenteil sucht er schon fast krankhaft danach. Jeder hat aus Liebe schon einmal etwas total Dummes getan, über das er heute den Kopf schüttelt und vielleicht sogar lachen kann. Vielleicht hat sich Jemand unter euch auch schon einmal für die Liebe aufgegeben und selbst vergessen. Wie auch immer jeder Einzelne, der das liest, dazu steht… Jeder von uns hat einmal geliebt und tut es wahrscheinlich genau in diesem Moment. Kommt euch bei diesem Wort eine bestimmte Person in den Sinn? Oder gar mehrere Menschen? Warum Madame sich überhaupt diesem großen Thema annimmt? Wird sie etwa sentimental? Nun, das ist glaube ich ganz einfach zu erklären. Liebe ist das Gefühl, das ich zur Zeit am stärksten empfange und auch an andere weiter gebe. Um mich herum ist unglaublich viel Liebe.

Es gab eine Zeit, in der ich dachte, dass ich nie mehr lieben und nie mehr vertrauen kann. Und vor allem war ich der Überzeugung, dass mich niemand liebt, sogar dass man mich gar nicht lieben kann. Das war lange vor der MS und hatte seinen Ursprung. Es hat mich viele Jahre gequält und hat sich auf alle Bereiche meines Lebens ausgewirkt. Jahre, in denen Liebe mir irgendwie weh getan, mich gequält hat. Heute ist sie das Beste, das ich habe und das, was mir am meisten Kraft gibt.

Am Anfang der Diagnose hat sich vor meinen Augen ein Schleier zusammengezogen. Dunkelheit. Fassungslosigkeit. Hilflosigkeit. Ich habe mich plötzlich höllisch alleine auf der Welt gefühlt und hatte lange Zeit das Gefühl, dass mein ganzes Leben zusammenbricht. Keiner versteht mich. Ja, das dachte ich und ein Stück weit musste ich diesen Prozess wohl mit mir selbst ausmachen und habe mich von meinen Mitmenschen distanziert. Ein Stück weit wohl aus Angst vor Veränderung. Ich hatte schon länger gemerkt, dass „etwas nicht stimmt“, dass ich mit meinen Freunden nicht mehr mithalten konnte, dass Treffen an meinen Kräften zehrten. Als das Kind dann einen Namen hatte, dachte ich „Jetzt bist du ganz raus“. Vielleicht habe ich diese Auszeit auch einfach für mich gebraucht und Menschen, die mich wirklich lieben, haben das akzeptiert und mir diese auch zugestanden. Sie sind heute immer noch da. Anfangs dachte ich, dass sich das Verhältnis zu vielen meiner Freunde negativ verändern würde und eine Zeit lang fühlte sich das auch für mich bereits so an. Ich habe Dinge gedacht und zum Teil gesagt und getan, die ich heute ganz anders betrachte. Heute weiß ich es besser. Heute weiß ich, dass ich von vielen Menschen bedingungslos geliebt werde und dass sie jeden meiner Wege mit mir gehen. Die letzten Jahre haben Beziehungen gestärkt – ob Freundschaften oder in der Familie. Überall ist Liebe. Bedingungslos. Stärker als je zuvor.

Ganz besonders merke ich das an meinem Papa. Ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich das hier schreibe, Paps. Und glaub mir, ich habe meine Gedanken nicht mal abgetippt und weine schon wie ein Kleinkind. Wir hatten nicht immer leichte Phasen. Ich war oft eklig zu dir und eine Zumutung. Umgekehrt war es auch nicht immer leicht dich als Papa zu haben. Das klingt hart, aber du weißt ganz genau wie ich es meine. Du warst nie ein Mensch der großen Worte und als Kind hätte ich mir diese aber manchmal von dir gewünscht. Auch als „Erwachsener“ gab es Zeiten, in denen ich mir gewünscht habe, dass du einfach mal deine Gefühle zum Ausdruck bringst. Manchmal hätte ich dich gerne geschüttelt. Wir zwei Sensibelchen, das war oft wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich habe dich noch nie zuvor so emotional, ehrlich und liebevoll erlebt wie die letzte Zeit. Ich hätte niemals gedacht, dass wir mal zusammen weinen würden (Was?! Mein Papa weint? 😉 Du Süßi, du). Aber das haben wir. Und wir haben es gebraucht. Es hat uns zusammengeschweißt. Ich liebe dich.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich so viele tolle Menschen an meiner Seite haben darf. Wenn ich insbesondere die letzten 6 Monate Revue passieren lasse, bin ich überwältigt. Diese Zeit war für mich nochmal eine ganz andere Herausforderung und hat mir viel Kraft und vor allem Mut abverlangt. Einige von euch sind dabei nicht von meiner Seite gewichen, sondern haben mich zwischen sich geklemmt, aufgerichtet und sind mit mir weitergegangen. Heute weiß ich, dass alles gut so ist wie es gerade ist. Und alles andere kommt von ganz allein.

Ich hoffe ihr habt auch einen so wundervollen Menschen an eurer Seite. Wenn ihr gleich mehrere solcher Prachtexemplare (Ja, ihr seid Granaten!) kennt, dann seid ihr wohl echte Glückspilze. Haltet diese Menschen ganz doll fest!

4 Kommentare zu „bedingungslose Liebe

  1. Sehr schön und ehrlich geschrieben. Welch eine Größe bedeutet es, mit einer Krankheit sagen zu können: „Heute weiß ich, dass alles gut so ist wie es gerade ist. Und alles andere kommt von ganz allein“. Ich bewundere Deine Kraft und Energie. Mach weiter so liebe Julia.

    1. Hallo lieber Uli, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Schön, wenn meine Worte dich berühren. Du selbst weißt wie es ist, wenn man mit einem Schicksalsschlag leben muss. Ich bewundere dich für deine Stärke und deine positive Einstellung. Drück dich <3

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