Positives Gedankengut

Der Funke

IMG_8034Heute möchte ich mich einem besonderen Thema widmen: dem Funken. Damit meine ich den inneren Funken, den jeder von euch da draußen in sich trägt.

Jeder Mensch leuchtet auf seine ganz besondere Art und Weise. Gewisse Eigenschaften und manchmal auch Eigenarten machen uns zu einem einzigartigen Menschen. Wir durchlaufen Phasen im Leben, in denen wir ganz besonders helle und beeindruckend schöne Funken versprühen. Oft haben wir dann für unsere Mitmenschen, die gerade nicht so hell leuchten können aus den verschiedensten Gründen, den ein oder anderen Funken übrig.

Mein inneres Feuer war lange Zeit getrübt. Ich habe mich angestrengt zu leuchten – und wie. Ich wollte es mit aller Kraft. Bin in Startposition gegangen, habe alle Farben eingesammelt, die ich bekommen konnte, wartete auf die Zündung und wollte die prachtvollste und wunderschönste Explosion erzeugen, die es jemals gab. Jedoch ließ sich meine Zündschnur nicht finden und ich wartete vergeblich. Das große Feuerwerk blieb aus. Da war der dunkle Himmel und blieb unerleuchtet.

Ja, ich habe in meinem Leben bisher wohl immer auf eine Explosion gewartet, die nie kam. Ich konnte nicht aus mir heraus kommen, war gehemmt. Konnte und wollte nicht zeigen, wer ich eigentlich bin. Ich könnte scheitern, ich könnte mich blamieren…. Solche Gedanken haben irgendwie immer zu mir gehört. Zu groß war die Angst vor Ablehnung und schlechter Kritik meiner Mitmenschen. Auch habe ich mich durch Andere hemmen lassen, habe mich angepasst und verstellt um zu gefallen. Meine Funken sind dadurch erloschen, ein Feuerwerk war also gar nicht möglich.

Das ist traurig und ich bin froh, dass ich heute anders darüber denke und vor allem weiß, wer ich eigentlich bin. So ganz in mir drin. Und ich habe festgestellt, dass ich gerne der Mensch bin, der ich bin und dass ich mich für nichts und niemanden mehr verstellen möchte. Wer mich nicht so akzeptieren und lieben kann wie ich bin, der hat in meinem Leben nichts zu suchen. Ich brauche keinen, der ständig alles schlecht redet, um sich selbst größer darzustellen. Ich brauche niemanden, der nicht an mich glaubt. Und ich brauche niemanden, der einen Keil zwischen mich und alles, was mich ausmacht und mir wichtig ist, treibt. Ich stehe zu mir. Ja, die MS hat mir in gewisser Weise meine Stimme gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar, denn ich weiß nicht, wie lange mein innerer Funken noch unentzündlich geblieben wäre. Die MS zeigt mir deutlich was mir gut tut, aber noch deutlicher, was nicht. Auf negative Emotionen und Stress reagiert mein Körper sofort. Taubheit, Kribbeln, Fatigue und die allgemeine Belastbarkeit verstärken sich sehr, wenn ich mich unwohl fühle. Deswegen bleibt mir gar nichts anderes übrig, als nach und nach soweit es geht das Negative auszuschleichen, wenn ich mich besser fühlen will. Natürlich geht das nicht immer und bei Allem, aber oft und bei Vielem. 🙂

IMG_8028Wie erlebt ihr das? Seid ihr mit euch voll und ganz im Reinen oder bedarf das noch Besserung? Ersteres ist sehr toll und für zweiteres kann ich euch nur aus persönlicher Erfahrung raten: trennt euch von Ballast, von Dingen, die euch nicht gut tuen. Es ist nicht immer leicht und es erfordert viel Mut etwas zu ändern, aber wohlmöglich werdet ihr mit dem tollsten Feuerwerk der ganzen Stadt belohnt.

So erlebe ich es momentan. Mein eigenes kleines Lichtspiel.

 

 

8 Kommentare zu „Der Funke

  1. Hey liebe Julia,

    ich hab deinen Blog erst vor einigen Wochen gefunden und find ihn ganz toll! Du sprichst mir so oft aus der Seele. Folge dir auch auf Insta 🙂

    Ich hab meine Diagnose vor ziemlich genau einem Jahr bekommen und hab mittlerweile eine sooo tolle (hä? MS? toll? *g*) durchgemacht. Genau wie du hab ich mich auf die Wesentlichen Dinge in meinem Leben konzentriert und das Drumherum Stück für Stück beiseite geschoben und irgendwann ganz beseitigt.
    Über viele Dinge hab ich mich früher aufgeregt, mich wegen Banalitäten gestresst und mich von Negativität runterziehn lassen. Also hab ich mich (möglichst geduldig) bemüht, Dinge manchmal einfach von einer anderen Seite zu betrachten. Schließlich kann man zB Stress im Job nicht einfach ignorieren. Der verschwindet nicht einfach. Aber man kann kurz inne halten, einmal tief durchatmen und sich fragen ob diese oder jene Situation es eigentlich gerade wert ist, sich deswegen zu stressen.

    Kürzlich lief mal wieder was nicht nach Plan. Treffen mit Freundinnen, trotz Tischreservierung hatte das Lokal spontan zugesperrt (hallo?!), alle hatten Hunger und sich bemüht pünktlich zu sein. Früher wär ich rumgesprungen wie Rumpelstielzchen, hätt neue Schimpfwörter für den Anlass erfunden und meine gute Laune wär den ganzen Abend nicht wiedergekehrt. Diesmal dachte ich mir „Ach was soll’s … wir werden schon was anderes finden. Bin von lieben Menschen umgeben und es wird bestimmt dennoch ein lustiger Abend. Essen können wir auch später noch.“ – und tadaaa … kein ärgern, kein Stress, keine schlechte Laune. Nur gutes Essen in einem anderen Restaurant und ganz viel lachen mit meinen Freundinnen.

    Ein paar Tage später meinte meine beste Freundin dann dass es ihr aufgefallen ist, wie ruhig und gelassen ich geblieben bin und dass sie schon damit gerechnet hatte, dass ich gleich zu schimpfen anfange. Hey das war als hätte mich jemand gefragt ob das sein kann dass ich fünf Kilo abgenommen hab – woohoo!!! :))) Es fruchtet! Es hat sich was geändert! Musste beim Lesen deiner Zeilen an Situationen wie diese denken.

    Vielen Dank an dieser Stelle dass du mit deinen Zeilen nicht nur allgemeine Informationen, sondern auch Denkanstöße und Inspiration lieferst! Ganz toll, weiter so! 🙂

    Liebe Grüße aus Österreich,
    Claudia

    1. Liebe Claudia, dein lieber Kommentar freut mich sehr und ich musste beim lesen wirklich sehr schmunzeln 😉 ich erkenne mich darin so gut wieder. ich bin früher so ziemlich wegen allem an die Decke gegangen, mein Nervenkostüm war sehr dünn. Aber das ist alles bloß verschwendete Energie. Schön, wenn du für dich einen anderen Weg gefunden hast. Schön, dass ich in dir eine Leserin gefunden habe 🙂 Liebe Grüße und eine gedankliche Umarmung, Julia

  2. Hallo mein Engel, wieder toll geschrieben und beschrieben. Wie machst du das nur. Da hat man das Gefühl, man ist mitten in deinem Leben. Weiter so, damit hilfst du hoffentlich dir und auch anderen.
    Paps

  3. Mein Schatz!
    Love it, change it or leave it!
    Tut es gut was du machst? Das frage ich mich jeden Tag.
    Leider kann ich mich nicht von allem trennen, weil das Leben nunmal Anforderungen hat, die ich nun mal „durchziehen muss“. Als ich krankgeschrieben war, konnte ich Vieles besser handeln, mich auf meine Therapien konzentrieren, meinen Tag gestalten,. Soziale Kontakte pflegen… Jetzt bin ich einfach wieder nur am durchhalten bzw abarbeiten. Ich lieb dich! Hast du schön geschrieben.

    1. Mein Schatz, ich weiß genau, was du meinst. Es tut mir so weh das von dir zu lesen und es immer wieder mitzubekommen. Ich habe Angst, dass es mir genauso gehen wird. Momentan lebe ich in meiner geschützten Seifenblase und muss „nur“ mit meinen Alltäglichen Anforderungen klar kommen. Wer weiß besser als du was ich damit meine, wenn ich sage, dass das Frühstückmachen einen schon so fertig macht, dass man sich direkt wieder schlafen legen muss?! Ich setze mir immer wieder irgendwelche Fristen. Ich ertappe mich immer wieder dabei. Ich möchte unbedingt im September meine Wiedereingliederung beginnen. Ich WILL so sehr. die Frage ist, ob ich es denn KANN?! Mein Körper wird es mir wohl zeigen und ich werde auf ihn hören. Er entscheidet, nicht mein Wille. Ich lieb dich auch mein Schatz! 🙂

  4. Liebe Julia,
    du bist eine wahrliche Inspiration – vielen Dank, dass du uns an deinen Gedanken, deiner Entwicklung teilhaben lässt. Ich verstehe dich so gut, wenn du beschreibst, dass einem die Auswirkung und das Feedback von Außen so wichtig ist, dass man anfängt davon anhängig zu werden und sich selbst dabei vergisst. Ich vermute auch schon länger, dass die MS eine Chance ist, mal an sich selber zu denken, an das was einem gut tut und glücklich macht und mal zu lernen auf sich selbst und auf das eigene Gefühl zu hören.
    Mach weiter so ! Ich bin noch nicht da, wo du bist, aber deinen Weg zu verfolgen hilft mir ein Stück meinen Eigenen zu finden.
    Ich danke dir, liebe Grüße aus Hamburg,
    Merle

    1. Liebe Merle, danke für deine lieben Worte! Ich finde solche Rückmeldungen von euch lieben Menschen sind viel mehr wert als ein „toll siehst du aus“ oder „hast du abgenommen?“. Denn bei euch kommt das an, was im Leben wirklich zählt. Ich nenne die MS nicht umsonst meinen Kompass – sie leitet mich, zeigt mir die richtige Richtung an. Ich wünsche dir von Herzen, dass du deinen Kompass findest und ihm folgen kannst. Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Meine Reise beginnt auch gerade erst richtig. Ich drücke dich unbekannterweise! 🙂 Julia

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