Gastbeiträge

Gina und ihre MS

Heute möchte ich einen Beitrag der lieben Gina online stellen. Gina ist 27 und hat die MS Diagnose vor fast drei Jahren erhalten. Sie möchte in den folgenden Zeilen beschreiben wie sich die MS Diagnose auf die Beziehung zu ihrem Freund ausgewirkt hat, mit dem sie nun seit vier Jahren zusammen ist. Vielen Dank für diesen Einblick, liebe Gina. 🙂

MS und Partnerschaft

Mit meiner MS Diagnose veränderte sich vieles in meinem Leben, auch die Beziehung. Als ich die Diagnose erhielt, war mein erster Gedanke „Was ist wenn mein Freund mit der Diagnose nicht zurechtkommt und die Beziehung wegen der Diagnose zerbricht?“

Es kam eine schwierige Zeit auf uns zu.. Arztbesuche, Medikamenteneinstellung und die Nebenwirkungen der Medikamente, sie waren nicht immer einfach , aber am schwierigsten war vor allem der Kampf gegen die Ängste und die Ungewissheit. Was ist mit unseren Plänen und Träumen, was ist mit unserem Alltag. Plötzlich mussten so viele Sachen zusätzlich bedacht werden, die eigentlich sonst nicht der Rede Wert waren, zum Beispiel hat das Hotel im Urlaub einen Kühlschrank im Zimmer, wo die Medikamente untergebracht werden können? In der ersten Zeit drehte sich fast alles um die Diagnose und die Krankheit.

Die „Was wäre wenn…“ Frage drehte sich immer und immer wieder um uns herum. Im Endeffekt bleibt die „Was wäre wenn“ Frage unbeantwortet, denn es gibt keinen Leitfaden, wie sich die Krankheit verhält, sie wird nicht umsonst die Krankheit der 1000 Gesichter genannt. Heute haben wir damit Leben gelernt die Antwort nicht zu wissen, und nehmen alles so wie es kommt. Das Leben mit MS, gleicht oft einem Überraschungsei, oft fallen die Tagespläne ins Wasser oder es muss umgeplant werden. Diese plötzlichen Planänderungen sind oft echt frustrierend, man hat sich auf etwas gefreut und manchmal schon vor langer Zeit geplant und plötzlich macht ein Fatigueanfall alles zunichte.

Mein Freund muss oft zurückstecken und manchmal sehr viel Verständnis aufbringen, am schwersten ist es denke ich, für etwas Verständnis aufzubringen was nicht sichtbar ist, zum Beispiel die Fatigue, die lähmende Müdigkeit, die für außenstehende schwer zu verstehen ist. Ich muss aber auch Verständnis dafür haben, das er nicht die Krankheit hat und es nicht sofort nachempfinden kann, er kann nur versuchen sich darin hineinzuversetzen.

Natürlich wurde die Beziehung auf die Probe gestellt aber uns hat sehr geholfen, dass wir offen miteinander gesprochen haben. Ich habe versucht ihm zu Beschreiben was in mir vorgeht und er hat mir geschildert wie es bei ihm rüber kommt und wie es ihm damit geht, so konnten viele Missverständnisse aus dem weg geräumt werden. Es fällt leichter mit der Reaktion des anderen umzugehen. Hätten wir alles in uns hineingefressen wäre das wahrscheinlich der Beziehungskiller gewesen.

Es ist für beide manchmal schwer zu akzeptieren, dass es manchmal nicht mehr so ist wie es einmal war und wahrscheinlich auch nie wieder so sein wird.

Der Umgang mit den Rückschlägen ist einer der schwersten , aber genau in solchen Situationen ist die Stabilität in der Beziehung umso wichtiger.

Seit meiner Diagnose schätze ich meine Beziehung noch mehr als früher. Zusammen wird nach Lösungen gesucht, es wird weiter geübt und gekämpft. Es ist jemand da der einem den Rücken stärkt, motiviert und auffängt wenn man einen Durchhänger hat. Für den Partner ist dies nicht immer einfach, es fordert viel vom Partner, ich würde sagen es ist eine Höchstleistung.

Für uns war es immer wichtig „Krankheitsfreie Zeit „ zu schaffen. Zeit wo die Krankheit nicht Thema ist und man für einen Moment durchatmen kann. Die Krankheit ist selbstverständlich unterbewusst ein ständiger Begleiter, aber man muss auch verhindern das sie zu viel Platz einnimmt in der Beziehung. Für beide in der Beziehung ist es wichtig, das nicht alles um die Krankheit kreist.

Die MS ist ein Teil unseres Lebens, aber sie darf auf keinen Fall an erster Stelle stehen.

Wir haben beide mit dem neuen Beziehungsalltag leben gelernt als wäre es schon immer so gewesen. Nach einiger Zeit gehören Medikamente, Arztbesuche und die Einschränkungen durch die MS genauso zum Alltag und dem Leben dazu wie das Zähneputzen am Morgen.

Ein Kommentar zu „Gina und ihre MS

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