Positives Gedankengut

Immer noch Julia!

Wenn man so in Mitleidenschaft gezogen wird von seiner Erkrankung wie ich momentan, dann fällt es einem wirklich schwer das ganze auszublenden. Würde man meine Familie oder Freunde auf mich ansprechen und nach mir fragen, so käme wohl als aller erstes die Antwort: „Julia geht es nicht gut, sie hat MS.“. Das Umfeld identifiziert (reduziert auf wäre wohl etwas übertrieben, oder etwa doch nicht?) einen irgendwann mit der Erkrankung und das schlimme ist: ich tue es beinahe selbst. Das darf nicht sein!

Nahezu jeder Gedanke dreht sich gerade um die MS. Wenn ich das jetzt esse, hat es dann eine negative Auswirkung auf die MS? Wenn ich jetzt zur Krankengymnastik gehe und anschließend direkt einkaufen, wird es dann zu viel und ich sollte lieber eine Pause dazwischen einlegen? Kann ich diese Verabredung wahrnehmen oder breche ich dann innerlich zusammen, weil es einfach zu viel ist? Ja, genau so verläuft jeder Tag momentan. Augenmerk immer schön auf diesen miesen Begleiter. Aber wo ist hier noch Raum für MICH? Ich bin es so verdammt leid!

Aus diesem Grund habe ich mir die Frage gestellt wer ich eigentlich bin und was mich genau zu diesem Jemand macht. Ich glaube für einen Menschen, der sich gerade in einer vermeintlichen Abwärtsspirale befindet – sprich es gibt keine Fortschritte und die Symptome werden nicht besser sondern eher schlimmer – ist es enorm schwierig das ganze Elend auszublenden. Deswegen habe ich mir Dinge gesucht, die mir dabei helfen mich auf die Positiven Dinge zu konzentrieren und all das negative mal auszublenden, einfach den Kopf frei zu bekommen und seitdem bin ich irgendwie gelöster. Ich fertige jeden Abend eine Liste an, auf der ich die positiven Ereignisse des Tages festhalte, sowie Dinge, die mir Kraft gegeben haben. Außerdem schreibe ich alle meine Eigenschaften auf, die ich selbst an mir schätze und die mich zu dem Menschen machen, der ich bin. Ich bin immer noch Julia! Mein Kern wird immer derselbe bleiben. Ihn wird nichts und niemand brechen können, denn ich bin und bleibe ich. Herzlich, hilfsbereit, lebensfroh, zuvorkommend, glücklich, wertschätzend, lustig, stark – unglaublich stark. Ich bin Julia, ich bin nicht MS. Ich habe MS und nicht die MS hat mich. Ich lebe mit ihr und muss irgendwie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Unsere Beziehung wird sich ja schließlich noch eine ganze Weile ziehen. Bis an mein Lebensende oder so 😉

Ich denke sehr oft, dass mir die MS vieles genommen hat. Aber vielleicht hat sie mir nichts genommen, sondern Dinge einfach nur verändert. Nicht alles davon finde ich gut. Mit Vielem habe ich zu kämpfen. Vieles macht mich traurig. Und wütend! Am Montag habe ich einen kleinen Zusammenbruch erlitten. Ich war so unglaublich wütend auf die MS, auf das Leben und einfach auf die ganze Welt. Innerlich habe ich die Wohnung in tausend Teile zerlegt, habe geschrien und habe fremde Menschen auf der Straße geschüttelt und sie gefragt, was der ganze Scheiß eigentlich soll. Ich wollte mir von der MS nicht mehr meinen Tagesablauf vorschreiben lassen geschweige denn mein ganzes Leben. Das kann es doch nicht sein! Ich glaube dieser kleine Wutausbruch hat sehr viel in mir bewegt und mich ein kleines Stück weiter gebracht. Irgendwie ist eine große Last von meinen Schultern gefallen.

Ich muss mir immer wieder verdeutlichen wer ich bin. Und nicht nur wer ich bin, sondern DASS ich wer bin. Mein Wert wird nicht über Leistung, die ich erbringe, definiert, sondern über Charaktereigenschaften, die mich ausmachen. Die mich zu Julia machen. Ich glaube, ich bin gerne Julia.

 

Es ist besser für etwas zu kämpfen als gegen etwas.

Ein Kommentar zu „Immer noch Julia!

  1. Du bist so stark liebe Julia :-). Du strahlst von innen eine sehr positive Energie aus, das finde ich so toll. Was ich noch bemerkenswerter bei dir finde ist, dass du alle Emotionen bezügl. der MIstStück zulässt und genau diese nicht verdrängst. Das wird dir dabei helfen, die MS besser kennenzulernen und vor allem wie sie auf DICH reagiert und umgekehrt, so hast du die Möglichkeit hast mit der Zeit mit ihr so zu jonglieren, als das die Beschwerden kaum bemerkbar sind. FInde dich klasse und bleib bitte so wie du bist, so bist du genau richtig :-*
    Drück dich doll liebe Julia. Pass auf dich auf.

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