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Jahresrückblick

Hallo ihr Lieben,

das Jahr ist nun so gut wie vorbei und jeder von euch wird es kennen: man lässt die Ereignisse alle nochmal Revue passieren. Wenn ich auf 2016 zurückblicke, packt mich ein Gefühlschaos der aller feinsten Sorte. Ich glaube so viele Höhen und Tiefen habe ich noch nie durchlebt.

Es war ein sehr anstrengendes und kräfteraubendes Jahr für mich. Gleichzeitig habe ich mich noch nie so selbstsicher und stark gefühlt wie in diesem Moment, in dem ich hier sitze und diese Zeilen schreibe. Es klingt paradox, aber es ist wirklich wahr. Was ich dieses Jahr alles ausgehalten und gemeistert habe, ist für mich selbst kaum zu glauben (Ja, ich weiß – Eigenlob stinkt 😉 aber hier ist es wirklich mal angebracht!). Ich bin extrem geschwächt und niedergeschlagen in 2016 gestartet, habe ab und an den Gedanken gehabt: „Das wars. Alles ist verloren.“ Seit Anfang 2015 ging es mir gesundheitlich immer schlechter und mich hatte zwischenzeitlich der Mut das ein oder andere Mal verlassen, muss ich ehrlich zugeben. Ich denke, das ist eine ganz natürliche Reaktion und darf auch mal sein – muss es vielleicht sogar. Aufgegeben habe ich jedoch nie und wenn ich immer an etwas glauben werde, bin ich es selbst. Das ganze Jahr über habe ich jeden einzelnen Tag gekämpft. Das Leben hat mich manchmal nicht nur einen, sondern drei Schritte zurückgeworfen. So musste ich aber eben einfach wieder vier Schritte vorwärts gehen. Jeder einzelne Schritt hat mich zwar wahnsinnig viel Kraft gekostet, jedoch bin ich mit jedem Schritt ein wenig stärker geworden. Ich hätte nie erwartet, dass es mir mal so gehen würde wie ich es dieses Jahr erleben musste. Es ist unglaublich schwer auszuhalten, wenn der eigene Körper dir nicht mehr gehorcht. Wenn du nicht selbstverständlich einen Fuß vor den anderen setzen kannst. Wenn du mit 24 bzw. 25 Jahren an manchen Tagen keine 200m weit kommst und zur Unterstützung eine Gehhilfe benötigst. Wenn du das Gefühl hast, dass du immer mehr von dir verlierst. Aber vielleicht war das für mich die wichtigste Erfahrung meines Lebens, denn es hat mir die Augen geöffnet. Darüber, was im Leben wirklich zählt. Dass es die kleinen Dinge des Lebens sind, die uns den Atem rauben und dass wir nicht immer Berge versetzen müssen, um etwas zu bewirken und stolz auf uns zu sein.

Ich bin ein unglaublich starker und selbstbewusster Mensch geworden. Das verdanke ich all den Rückschlägen, die ich dieses Jahr durchleben musste. Ich habe ein sehr ausgeprägtes Feingefühl für die Dinge entwickelt, die mir gut tun und – noch wichtiger – für die Dinge, die mir nicht (mehr) gut tun. Die ein oder andere Entscheidung, die ich dieses Jahr getroffen habe, mag nicht jeder verstehen können oder auch wollen, jedoch muss ich sagen, dass ich aus tiefstem Herzen spüre, dass ich mir selbst noch nie näher war als jetzt. Ich schaue auf mein Leben und sehe all die positiven Dinge, die mich umgeben. Egal wie viele Tränen mich dieses Jahr gekostet hat, wie viel Schmerz. Ich weiß nun, dass alles gut ist so wie es ist und dass alles, was mir passiert ist, einen tieferen Sinn hat. Dass es einfach so kommen musste.

Ich hatte zuerst den Gedanken, dass 2016 mein schlimmstes Jahr überhaupt war, aber vielleicht stimmt das gar nicht. Es war einfach nur das intensivste und reichste Jahr, das ich bisher erleben durfte: reich an wertvollen Begegnungen, reich an Schmerz und Trauer, reich an Hoffnung, reich an Kämpfen, reich an Liebe, reich an Enttäuschungen, reich an Wut, reich an Stärke, reich an Erkenntnissen.

Diese Zeilen schreibe ich von Hamburg aus, von meiner Freundin Becky, die ich ohne diese ganzen Erlebnisse wohl nie kennengelernt hätte. Und das wäre verdammt traurig, denn mir ist noch nie ein Mensch begegnet, der mich mehr versteht als sie es tut.

Kommt gut ins neue Jahr, hört auf euer Herz und gebt euch niemals auf!

Eure Julia

4 Kommentare zu „Jahresrückblick

  1. Liebe Julia!

    Sehr schön diese Zeilen von Dir zu lesen.
    Man wächst mit seinen Aufgaben, man wächst mit seiner Krankheit, das kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen.
    Trauer, Tiefschläge, Verzweiflung und vor allen Dingen Kampf, gehören leider auch immer wieder dazu.
    Aber, es gibt auch immer wieder diese sehr schönen Momente, tolle Begegnungen…. z. B. mit Becky oder aber auch mit uns…

    Ich wünsche Dir ein ganz, ganz schönes 2017, mit einer sehr, sehr ruhigen MS.

    Deine Christine! <3

  2. Liebe Julia,

    es freut mich so sehr gestern diese Zeilen gelesen zu haben. Wie stark man über ein ganzes Jahr werden kann und wie toll du es gemeistert hast. Bleib so wie du bist.

    Drück dich,
    Claudia

  3. Liebe Julia,
    2016 empfand ich -zumindest seit dem Sommer- als ein äußerst anstrengendes Jahr. Erst die wechselnden Temperaturen und die dadurch zickige MS, dann der Sturz und die nachfolgende ‚Schockdiagnose‘ und jetzt quasi von 0 anfangen und wieder laufen lernen. Beim Lesen Deines Blogeintrags schossen mir die Tränen in die Augen. 3 Schritte vor, 4 zurück kommt mir sehr bekannt vor. Und ich gebe Dir Recht: auch wenn 2016 viele negative Momente hatte, zeigt es mir, wieviel Stärke in mir steckt und welche Hindernisse ich bislang schon überwunden habe.
    2017 wird UNSER Jahr!

  4. Ich lieb dich! Du bist mir so wichtig geworden! Und wie wahr der Kommentar von den Mädels gestern, die wir kennengelernt haben: „Waaaaaas??? Ihr kennt euch erst seit diesen Sommer?? Wir dachten ernsthaft, ihr kennt euch aus der Grundschule, so vertraut wie ihr miteinander umgeht und ihr Insider-Witze einsetzt!
    ✊Bleib wie du bist mein Schatz, denn so hab ich dich am liebsten! Schön, dass du hier bist!

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