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Leben mit Fatigue

Da die Fatigue momentan wieder seeeeehr penetrant ist, dachte ich mir, dass ich sie hier mal etwas näher beschreibe. Es ist mein belastendstes Symptom und gleichzeitig jenes, das am schwersten nachvollziehbar für die Außenwelt ist, wenn man es denn selbst nicht kennt. Fatigue äußert sich aber – wie alles andere auch – sicher bei jedem Betroffenen nochmal anders. Deshalb kann ich hier bloß für mich sprechen. Für mich ist das schlimmste, dass es nicht wirklich etwas gibt, das dagegen hilft. Auch einen persönlichen Umgang damit zu finden, finde ich sehr schwierig. Ich komme nicht dahinter wovon die Fatigue wie beeinflusst wird. Ich werde einfach nicht schlau aus ihr.

Fatigue ist keinesfalls mit einer normalen Müdigkeit vergleichbar. Es ist eine tiefe Erschöpfung, die man nicht steuern und beeinflussen kann. Mal ist sie schon beim Aufwachen vorhanden und ich fühle mich als hätte ich tagelang nicht geschlafen und schaffe es überhaupt nicht aus dem Bett. Mein Gehirn fühlt sich dann nebelig und in Watte gepackt an. Ich fühle mich neben mir und alles zieht irgendwie an mir vorbei. Das sind die schlimmsten Tage. Wenn der Morgen so beginnt, endet der Tag auch meist genauso. Dieses aushalten der Erschöpfung ist unerträglich. Es fühlt sich an als würde ich im Liegen kollabieren und meine Organe stellen nach und nach ihre Arbeit ein und ich sterbe. Es klingt theatralisch, aber genauso ist es leider. An solchen Tagen ist es verdammt schwer die Hoffnung auf Besserung zu bewahren…

Manchmal tritt die Fatigue nach den geringsten Aktivitäten auf – wie z.B. Frühstück machen, spülen, Wäsche aufhängen, ein Telefonat. Das erfordert dann eine sofortige Pause im Anschluss. Es fühlt sich an, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Die geringsten Dinge kosten unfassbar Kraft und der Tag liegt vor mir wie ein hoher Berg. Ich funktioniere dann einfach nur noch, halte aus und erledige gerade so noch irgendetwas.

Manchmal denke ich, dass der Tag gut wird, bin motiviert, unternehme – für meine Verhältnisse – viel, lache, lebe und genieße es und plötzlich erschlägt sie mich, die Madame Fatigue und zwingt mich in die Knie. Das Atmen fällt schwer, Herzrasen, etwas in mir, das gegen meinen Geist und meinen Körper arbeitet. Das Gefühl des innerlichen Sterbens. Dieses Gefühl kann minutenlang anhalten oder aber den Rest des Tages andauern.

Mit Glück erlebe ich Tage, an denen ich viel unternehme und mich dabei kontinuirlich gut fühle. Mein Energielevel ist zwar auch dann sehr gering, aber wenn man alles mit Gelassenheit und ohne Stress angeht, dann kann ich den Tag sehr gut für mich nutzen. Für solche Tage lebe ich, denn sie bedeuten die Welt für mich. Auch wenn sie selten sind, bin ich unendlich dankbar für jeden einzelnen von ihnen. Und solange es diese Tage gibt, kämpfe ich. Mit jedem Atemzug. Ich glaube fest daran, dass es eines Tages besser wird. Und deshalb gehe ich durch die Hölle und wieder zurück. Einfach, um mein Glück zu finden. Ich liebe mein Leben. Ich habe so viel Gutes darin und bin dankbar, dass ich leben darf. Nicht jeder hat das Glück. Viel zu viele Menschen sterben viel zu früh.

Ich danke allen Menschen, die mich auf meinem Weg begleiten, mich unterstützen und mich bedingunglos lieben. Da wären insbesondere meine Eltern, die alles ihnen mögliche für mich tun, immer getan haben und immer tun werden. Bitte macht euch nicht so viele Sorgen, denn ihr wisst es ganz genau: ich schaffe alles, wir schaffen alles. Es gibt für alles eine Lösung und Zeit heilt alle Wunden. Klingt manchmal wie eine Floskel, aber ist einfach wahr. Hinterfragt nicht das Warum, denn ihr werdet darauf nie eine Antwort bekommen und lasst nicht zu, dass euch diese Frage zerfrisst. Ich liebe euch. Ich danke allen meinen Freunden für den Halt, den sie mir spenden – ob direkt hier vor Ort oder in der Ferne. Ich habe auch viele tolle Menschen über das Internet kennen gelernt, bei denen ich mich sofort zu Hause gefühlt habe. Ein Ort, an dem man auf tiefstes Verständnis trifft. Ich danke einfach jedem, der ab und zu an mich denkt und mir gedanklich all seine Kräfte und guten Wünsche schickt. Ohne euch würde ich das alles nicht durchstehen, deshalb danke ich euch aus tiefstem Herzen! Danke!

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