Sportliches

MS und Sport

Früher hat man jedem MS-Kranken abgeraten davon Sport zu machen. Möglichst wenig bewegen, hieß es. Dies ist mit Sicherheit einigen „alten Hasen“ zum Verhängnis geworden. Heute weiß man es zum Glück besser und Fakt ist: Bewegung ist außerordentlich wichtig, um Muskulatur und somit Mobilität und Eigenständigkeit möglichst lange zu erhalten. Außerdem ist Sport dafür bekannt den Geist frei zu machen und gerade das ist in Bezug auf eine Erkrankung wie Multipler Sklerose sehr wichtig, weil Stress sofort eine Auswirkung zeigt. Deshalb ist ein Ausgleich wichtig. Dafür eignet sich Sport ziemlich gut und ist daher ein wichtiger Bestandteil im Umgang mit und in der Verarbeitung von der MS.

Eine Sportart, die bestens geeignet ist, gibt es wohl nicht, da auch das wieder individuell ist. Jedem Betroffenen kann etwas anderes gut tun. Wichtig ist bloß, dass man überhaupt was tut. Die Aktivität muss an die eigenen Ressourcen angepasst werden. Man kann sich schnell überfordern und dann kommt es zu Frust und Resignation. Und Symptome wie Fatigue, Spastiken, Missempfinden z.B. verstärken sich. Ich habe das schon sehr oft so erlebt, da ich meistens dann doch über das Ziel hinaus geschossen bin. Man muss lernen seine Fähigkeiten einzuschätzen und dies dann auch lernen zu akzeptieren, was wirklich – besonders am Anfang – sehr, sehr schwer fällt. 🙁 IMG_6200

Wichtig ist auch, dass man sich sagt, dass man Sport machen WILL und nicht weil man MUSS. Weil man sich damit etwas Gutes tut und die Mobilität somit auch länger erhalten kann als ohne Bewegung. Na, wenn das kein Grund und keine Motivation ist 😉 wenn dann noch ein paar Pfunde nebenbei purzeln, dann ist das natürlich auch erfreulich

Ich persönlich muss immer ein paar Pausen zwischen den Übungen einhalten, da mein Körper mir sehr schnell meine Belastungsgrenzen aufzeigt. Ich habe mir zu Hause sehr viel Equipment zugelegt, damit ich zu Hause immer die Möglichkeit habe etwas zu tun:

Da wäre zum einen mein Trampolin, das ich sehr gerne und so häufig es geht nutze. Es ist zwar sehr anstrengend, aber es gibt kaum ein besseres Training. Man trainiert Ausdauer, Kraft, Gleichgewicht und Koordination zugleich. Und mir macht es nebenbei auch noch wirklich viel Spaß. Ich habe mir das SportPlus Fitnesstrampolin mit Bungeeseil-System über Amazon bestellt und bin damit sehr zufrieden. Es hat sogar einen abmontierbaren Haltegriff – super, wenn man Gleichgewichtsprobleme hat. An guten Tagen kann ich ihn weglassen, wenn es schlechter ist mit einem Handgriff wieder dranmontieren. Derzeit gibt es dieses Modell bei Amazon für 100€ – es lohnt sich! Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier definitiv. Hier der Link: Trampolin von SportPlus

Außerdem habe ich mir TRX-Bänder gekauft. Ich habe in  meiner ersten Reha im Juli 2015 damit trainiert und fand es sehr hilfreich. Es ist ebenfalls sehr effektiv, man arbeitet mit dem eigenen Körpergewicht und außerdem gibt es einen gewissen Halt und man kann die Übungen sicherer Durchführen. Bei Gleichgewichtsproblemen sehr hilfreich! 🙂 Das Band lässt sich entweder mittels eines Hakens in der Tür einhängen, oder über eine Klimmzugstange befestigen. Das geht sowohl als auch. Hier findet ihr so ein TRX-Band. Dieses nutze ich selbst und kann sagen, dass es von der Qualität her sehr gut ist. Es gibt natürlich auch günstigere Modelle um die 35€, welche sicher auch nicht schlecht sind.

Auch ein Pezziball – oder aber auch Gymnastikball genannt – darf für mich nicht mehr fehlen. Er ist sehr rückenschonend und ich finde die Übungen ebenfalls sehr effektiv und hilfreich. Auch hier lassen sich Gleichgewicht und Koordination bestens trainieren 🙂 Auch eine gute Sitz-Alternative zum herrkömmlichen Stuhl. Der Rücken freut sich.

Meine gut gepolsterte Iso-Matte möchte ich auch nicht mehr missen. Auf ihr mache ich meine Dehnübungen und leichte Übungen mit eigenem Körpergewicht. Auch Terrabänder in verschiedenen Stärkegraden benutze ich gerne. Insbesondere für Rückenübungen sehr effektiv und nicht zu unterschätzen.

Und ja, jetzt kommts: ich habe mich letzte Woche auch wieder im Fitnessstudio angemeldet. Einfach, damit ich noch mehr Möglichkeiten habe und damit ich an guten Tagen einfach auch mal etwas Anderes zu sehen bekomme als meine Wohnung und um neue Ideen für ein Workout zu bekommen. Ich habe auch vor der MS schon einige Jahre im Fitnessstudio trainiert und kam damit immer gut zurecht. Also: Angriff! 🙂

IMG_4814Dadurch, dass ich mich durch die hohen Dosen Vitamin D noch mehr bewegen soll, bin ich sehr motiviert mich mehr zu bewegen, denn ich möchte ja, dass das Protokoll bestmöglich wirkt. Wenn ich ein Erfolgserlebnis beim Sport habe, beflügelt mich das direkt und irgendwie bekomme ich dann wieder ein besseres Körpergefühl. Und bessere Laune 🙂 Ich habe dann das Gefühl, dass mir mein Körper nicht ganz entgleitet und er noch etwas schafft und das fühlt sich verdammt gut an 🙂 Ich muss einfach bloß auf meinen Körper hören und darf es nicht übertreiben – sonst kommt es doppelt und dreifach zurück. Und dann mit voller Wucht. Ich bin eben bei Weitem nicht mehr so belastbar wie früher. Das wird mir beim Sport noch viel mehr bewusst als bei den kleineren alltäglichen Dingen. Aber das sollte kein Hindernis darstellen, höchstens Motivation bieten besser zu werden 🙂

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig inspirieren und mit meiner Motivation anstecken.

4 Kommentare zu „MS und Sport

  1. Liebe Julia,

    ich mach schon seit Jahren (also auch schon vor meiner Diagnose) beinah täglich Pilates. Training mit eigenem Körpergewicht und dadurch Muskelaufbau, ganz viel Dehnen, ganz viel Koordination und (für uns ganz toll) Training des Gleichgewichts.

    Vielleicht wär das auch was für dich?
    Robin Long von The Balanced Life (als ich sie im Netz gefunden hab war sie noch eher Bloggerin als Online-Trainerin) stellt viele Videos gratis auf Youtube zur Verfügung. Die meisten Clips dauern nur 10 min (was ich auch SEHR toll find weil man 10 min ja schnell mal im Alltag unterbringen kann und dennoch am nächsten Tag Muskelkater hat).

    https://www.youtube.com/user/TBLwithRobinLong/videos

    Hab die Seite schon ganz vielen MS-Betroffenen empfohlen, vielleicht ist’s ja auch was für dich! 🙂

    Alles Gute und einen schönen Tag,
    Claudia

    1. Hallihallo liebe Claudia, vielen dank für die Inspiration. Ich werde mir das auf jeden Fall die kommenden Tage mal anschauen 🙂 LG Julia

  2. Hallo Julia,
    Blog zu schreiben trainiert auch irgendwie. Nicht körperlich, aber den Kopf. Auch das ist extrem wichtig, finde ich. Mir hilft es auch sehr, die Gedanken zu sortieren, ein bisschen wie meditieren. Und ja, es hilft damit auch gegen Stress.
    Bei meiner ersten Reha (nach meiner Diagnose) sagte die Neuropsychologin zu mir:
    „Drei Dinge sind jetzt ganz wichtig für Sie.
    1. Die Krankheit zu akzeptieren.
    2. Mit den Ressourcen zu haushalten.
    3. Möglichst normal weiterleben.

    Sie hatte in jedem Punkt absolut Recht.
    Deinen Blog finde ich toll und werde ihn verfolgen und lesen. Und da wir beide das Coimbra-Protokoll machen, werden wir uns sicher das ein oder andere Mal austauschen…
    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg und viel Spaß
    Anke

    1. Liebe Anke, da hast du wohl recht! Ich finde das Schreiben sehr anspruchsvoll und muss mich währenddessen sehr konzentrieren. Ich möchte euch hier ja keinen Quatsch erzählen 😉 Schön, dass auch du deinen Weg mit dem CP gehst. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute! Liebe Grüße
      Julia

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