Positives Gedankengut

Steine im Weg

Steine. Überall Steine. Ein riesiger Haufen liegt direkt vor mir. Ich starre ihn an, atme tief durch und hebe meinen linken Fuß an, um einen Schritt weiter zu gehen. Doch der Stein ist so groß, dass ich nicht über ihn steigen kann. Ich bleibe hängen, rutsche ab und liege am Boden. Dabei schürfe ich mir mein Knie auf, verstauche mir den Fuß und streife einen benachbarten Stein zu meiner rechten mit meiner Schläfe. Das war knapp, denke ich für mich. Dieses ständige Aufstehen und wieder Fallen kostet mich eine Menge Kraft. Beinahe so viel, dass ich nicht weiß, ob ich es noch einmal schaffen kann. zu groß ist die Enttäuschung und der Schmerz, wenn ich erneut scheitern würde. Ist das vielleicht der entscheidende Punkt? Haben wir Menschen meist zu viel Angst davor zu versagen? Müssen wir immer alles sofort erreichen und am besten Vorgestern? Ich streife mir meine zerzausten Haare aus dem Gesicht, binde mir einen Zopf und stütze mich auf meinen Handflächen ab. Sie sind unversehrt. Ich halte kurz inne, sage mir, dass ich das schon irgendwie schaffe und drücke mich so fest ich kann nach oben. Nun ziehe ich die Beine nach vorne und kniee auf dem harten Boden. Ein kleiner Stein bohrt sich in meine Haut und hinterlässt dort einen Abdruck. Er wird dort eine Weile bleiben und mich daran erinnern, dass ich nicht alles auf mir sitzen lassen habe, dass ich wieder aufgestanden bin. Langsam stelle ich meine Fußspitzen auf den Boden und versuche mein Gleichgewicht zu halten. Ich schaue kurz zu allen Seiten und einmal nach oben, nehme dann Schwung und pötzlich stehe ich aufrecht vor diesem riesigen Stein. Man könnte ihn beinahe als Felsen beschreiben. Er scheint im Boden fest verankert und wirkt mit seinen spitzen Ausstülpungen beinahe bedrohlich. Ich weiß nicht weshalb, aber plötzlich muss ich grinsen. Ich wirke auf mich selbst entschlossen und nehme Anlauf. Für diesen kurzen Augenblick vergesse ich alle Schmerzen, Sorgen und Ängste. Ich denke bloß an das, was hinter diesem Felsen liegen könnte. Ich weiß es nicht, da ich bisher noch nicht dort gewesen bin. Wenn du diese Hürde hinter dir gelassen hast, wird alles besser, haben die Anderen immer gesagt. Ein völlig neuer Ort, dem ich schon eine Weile entgegenfibere und der neben unzähligen schönen Dingen sicherlich neue Herausforderung für mich bereithält. Ich bin gewappnet, komme nicht alleine. Zuversicht, Mut, Hoffnung und der Glaube an mich selbst befinden sich in dem Rucksack, den ich eng an mich gechnürt auf meinem Rücken trage. Bloß nicht verlieren, denke ich. Und während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, stehe ich plötzlich mitten auf dem Felsen und kann meinen Augen beinahe nicht trauen. Was sich dahinter verbirgt, ist schöner als ich es mir in meinen Träumen je ausgemalt habe. Eine Wiese voller Leben und Sonnenschein. Ich setzte mich für eine Weile auf den Stein, atme langsam ein und aus und schließe meine Augen als ein sanfter Wind meine Wangen streift. Mir steigen langsam die Tränen in die Augen und hinterlassen eine feine Spur als sie den Winkel meiner Augen verlassen und meine Wangen hinab laufen. Das ist das Leben, sage ich mir leise und spüre wie mein Herz schneller schlägt. Ich springe vom Felsen. Ich komme gleichzeitig auf beiden Füßen auf und habe weniger Angst, wenn der nächste Stein meinen Weg kreuzen wird.

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