Erfahrungen mit dem Coimbraprotokoll

Tag 41 – was hat sich getan?

Heute bin ich am 41. Tag (Start 05.05.2017 mit 60.000IE) des Coimbraprotokolls angelangt und möchte nun endlich mal zusammenfassen, was sich bisher alles bemerkbar gemacht hat.
Die erste Reaktion meines Immunsystems war ein Bilderbuch-Herpes, bzw. gleich eine glückliche Familie auf meinen Lippen. Erst waren es zwei, die sich in der Nacht dann vermehrt haben. Diese kamen am 20. und 21. Protokoll-Tag. Ich hatte das Jahr bevor die MS ausgebrochen ist, extreme Probleme mit den hässlichen Bläschen. Teilweise über die halbe Lippe, sehr schmerzhaft und blutig. Lysin in Kapselform hat mir damals sehr geholfen, sodass ich nur noch einmal im Jahr damit zutun hatte. Zu „Höchstzeiten“ waren es alle 3-4 Wochen. Der Herpes hat auch seine Zeit gebraucht um zu verschwinden, aber seitdem kam er nicht mehr wieder zurück. Lysin gehört jetzt auch wieder zum festen Bestandteil meiner täglichen Pillen 😉

Seit dem 29. Tag merke ich einen kleinen Energie-Schub, was sich vor allem in den kleineren Dingen des Alltags bemerkbar macht wie z.B. häufiger selbst und gesund kochen, mal die Nägel lackieren. Letzteres klingt vielleicht banal und ist nicht meine höchste Priorität, jedoch sind gerade dies Dinge, für die meine Energie am Ende des Tages, wenn alles nötige irgendwie geschafft oder eben auf den Folgetag geschoben wurde, nicht mehr ausgereicht hat. Kleine Dinge, winzige Verbesserungen, die für mich aber sehr groß sind und mich unendlich glücklich machen 🙂 Kleine Dinge, die für gesunde Menschen eine Selbstverständlichkeit sind. Auch positiv: Ich habe innerhalb der letzten 14 Tage nur einen Tag Vigil genommen. Vor dem Start des Coimbraprotokolls hatte ich wieder ein richtiges Fatigue-Tief und ohne ging es nicht mehr.

Zudem erlebe ich mich selbst viel fröhlicher und ausgeglichener, da die ganz schlimmen Tage (den ganzen Tag gelähmt im Bett liegen) weniger werden und ich sehe, dass ich auch mal einen guten Tag haben kann. Es ist möglich! Auch brauche ich nicht mehr jeden Tag einen ausgedehnten Mittagsschlaf. Mein Schlafbedürfnis ist generell erhöht – 12 Stunden sind gerade eine gute Zeit für mich. Seit dem 28. und 29. Tag des CPs kommen immer wieder mal Schubsymptome meines ersten nachgewiesenen Schubes vor, was sich wie folgt bemerkbar macht: schmerzende, elektrische Impulse schießen durch den rechten Arm, versteifte Hand, erschwerte Feinmotorik, zwei Tage konnte ich meinen Urin nicht einhalten. Es hält sich in Grenzen. Ich hatte die letzten beiden Sommer massive Probleme mit der Hitze, da die Nervenleitfähigkeit bei hohen Temperaturen schlechter wird. Bisher ist es deutlich besser auszuhalten als das, was ich es die letzten zwei Jahre kennen lernen durfte. Die Hitze hat mich komplett lahm gelegt, der Sommer war mein Feind. Mal schauen wie es sich dieses Jahr so entwickelt. Große Sonnenbäder werde ich wohl nicht machen, aber es wäre schön, wenn ich das warme Wetter wenigstens ein wenig genießen könnte. Ich verlange ja nich die Welt 🙂 Auch hatte ich zwei Tage wieder vermehrt Probleme mit dem Gehen – meine Gehstrecke hat sich wieder etwas reduziert, brauche schneller und häufiger Pausen, kann meine rechte Ferse nicht absetzten, was zu Muskelkrämpfen in der rechten Wade führt. Mein Bein ist generell steif und ich habe quasi einen „Robotergang“. Meinen Stock brauche ich aber nicht, von daher ist alles gut 😉 Eine Symptomreaktivierung in der ersten Phase des Protokolls ist keine Seltenheit und deshalb mache ich mir daraus nichts. Denn ich weiß ja, dass sich das Warten und Aushalten auszahlen wird. Geduld zu haben lernt man mit der MS ja sowieso gezwungenermaßen, also alles easy 😉 Wenn es gar nicht auszuhalten ist, kann ich auf meine Bedarfsmedikamente zurückgreifen, die es mir etwas erleichtern.

Im Allgemeinen erlebe ich seit ca. 2 Wochen eher ein Hoch als ein Tief und dafür bin ich unendlich dankbar. Ich kenne seit 2 1/2 Jahren nur noch die Abwärtsspirale, Hoffnung auf Besserung fiel von Tag zu Tag schwerer. Ich bin 25, habe Rente beantragen müssen und werde kommenden Monat ausgesteuert und bin somit auf Arbeitslosengeld angewiesen. Das CP gibt mir wieder Hoffnung, dass das nur ein Lebensabschnitt sein wird, kein Dauerzustand. Es scheint als würde ich für meine Geduld, mein Engagement und auch meinen Mut keine Basistherapie zu machen belohnt. Ich kann es wirklich jedem ans Herz legen es zu versuchen. Traut euch! So viele Erfahrungsberichte können nicht lügen. Und auch ein Professor für Neurologie hat nichts davon 15 Jahre an einem Konzept zu arbeiten, viel Geld und Zeit zu investieren, wenn alles ein Hirngespinst wäre… Ganz zu schweigen, dass er Ärzte kostenlos schult. Wozu das alles? Ja, um zu helfen. Um Menschen mit MS – und auch anderen Autoimmunerkrankungen – wieder eine Perspektive zu bieten. Wir bekommen bloß gesagt, dass MS unheilbar ist, mit der Zeit die Einschränkungen zunehmen und wir auf Medikamente angewiesen sind. Aber vielleicht gibt es da eben doch diese eine Chance. Die Chance MS zum stillstand zu bringen und weiteren Schäden vorzubeugen. Mir ist es einen Versuch wert. Zu verlieren habe ich nichts! 🙂

10 Kommentare zu „Tag 41 – was hat sich getan?

  1. Hallo Julia, Du könntest auch einmal – vielleicht kochst Du schon damit – Kokosöl auf die Bläschen reiben. Ich hatte nach meinem ersten Diagnose-Schub nachher wochenlang eingerissene Mundwinkel. NICHTS half. Und dann habe ich wg. MS-Diät auf Kokosöl umgestellt und das soll ja auch andere Vorteile haben, z.b. antibakteriell und antifungizid. Zwei drei Tage draufgemacht und die Rissen fingen endlich an abzuheilen! Toller Blog, weiter so und beste Grüße von einer „Leidensgenossin“, die auch bald mit CP starten will

    1. Hallo liebe Jelka, recht hast du! Beim nächsten Herpes (der sicherlich eines Tages kommen wird – leider), teste ich das mal. Ich habe Kokosöl aus dem Reformhaus immer da und liebe es damit zu kochen. 🙂

  2. Hallo , Ich habe auch M.S -Secundär-Chronisch-Progresiv . Könnte das Coimbra-Program für mich Interessant sein ? Und wie und wo kann Ich das machen ? Danke . A.Santos

    1. Lieber Antonio,
      Vielen Dank für deine Nachricht. Das Protokoll ist sowohl für die schubförmige MS geeignet als auch für die progrediente Form. Woher kommst du denn? Dann könnte ich schauen welcher Protokoll-Arzt in der Nähe ist. Leider gibt es bloß 6 in ganz Deutschland, Ende es Jahres 8. liebe Grüße Julia 🙂

  3. Sehr ehrlicher Bericht, vielen Dank. ich selbst bin ein „alter Hase“ und seit 30 Jahren dabei. Noch laufe ich und das soll so bleiben und auch wieder besser werden. Ich mochte schon immer Experimente und das CP ist trotz der Kommunikationsprobleme ein bemerkenswertes.

    1. Lieber Uwe, vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich denke auch, dass es ein sehr spannendes Experiment, oder aber auch ein Selbstversuch – ist. Was haben wir zu verlieren?! Ich wünsche dir, dass das CP bei dir genauso gut anschlägt wie bei den vielversprechenden 95% 🙂

  4. Liebe Julia,
    schön, dass Du schon erste Verbesserungen durch das Coimbra-Protokoll bemerkst und ich bin sehr gespannt, wie es bei Dir weitergeht.
    Ich zähle die Tage bis zum Erstgespräch beim Protokollarzt am 1. August, weiß aber auch, dass ich viel Geduld mitbringen muss, bis sich was tut.
    Ich denke auch, dass man das CP als MS-Patient versuchen sollte. Es bietet eine Chance auf einen Stillstand der MS ohne Hammermedikamente und die sollte man nutzen.
    Alles Liebe ❤️,
    Cirsten

    1. Liebe Cirsten,
      ich bin auch schon sehr gespannt darauf, was sich bei dir unter dem CP alles bessern wird. Und du weißt ja: Geduld, Geduld und….. ja, noch etwas Geduld 😉 Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich schon auf deine Erfahrungen. Der 1. August kommt schneller als du denkst! 🙂

  5. Ich freue mich sehr mit Dir, liebe Julia! Und weiß aus eigener Erfahrung, wie wunderbar das Zurückgewinnen der kleinen alltäglichen Dinge ist, die mit zunehmender Dauer der Behandlung mit dem Coimbraprotokoll wiederkommen.

    Superklasse, dass Du Geduld hast, bald kommt die Belohnung: Gerade bei jüngeren Menschen tritt relativ schnell die Remission ein unter Hochdosistherapie mit Vitamin D und der Körper kann noch sehr viel reparieren. Mittlerweile gibt es ja auch Studien, die nachweisen, dass Vitamin D sowohl Myelinscheiden als auch Nervenzellen reparieren und sogar neu bilden kann. Du bist noch jung und hast das Coimbraprotokoll früh entdeckt – es wird superklasse!

    1. Liebe Christina,
      gerade über einen Kommentar von dir freue ich mich ganz besonders. Ich bin dir so unendlich dankbar dafür, dass du dich so engagierst und das Protokoll bekannter machst. Und das alles, um anderen zu helfen ❤️ Das ist eine riesengroße Geste und ganz ganz wertvoll! Damit hilfst du unzähligen Menschen, die dir alle sehr dankbar sind. Und wer weiß… Wenn das CP bei mir gut anschlägt, möchte ich dich ja eventuell unterstützen in deiner Arbeit Es wäre mir eine große Freude! Fühl dich gedrückt, Julia.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.