Veränderungen

Veränderungen

Die letzten Tage habe ich besonders über Veränderungen in meinem Leben nachgedacht. Man, hat sich vieles verändert! Wenn ich die letzten zwei Jahre reflektiere, komme ich mit den Ereignissen gar nicht hinterher. Ich habe das Gefühl das Leben ist mehr oder weniger an mir vorbeigezogen – so beschäftigt war ich mit mir, meiner Genesung, den neuen Gegebenheiten und Veränderungen.

Zum Einen musste ich erstmal realisieren, dass ich unheilbar krank bin. Puh, das ist gar nicht so einfach wegzustecken. Und nein, ich habe es noch immer nicht weggesteckt und bin auch noch ein großes Stück davon entfernt. Ich arbeite jeden Tag ein Stück daran und natürlich komme ich den einen Tag mal besser und den anderen wiederum dann schlechter damit zurecht. An manchen Tagen gelingt es mir den Tag anzunehmen wie er kommt und die Ressourcen, die mir mein Körper an diesem Tag zur Verfügung stellt, zu nutzen und nicht denen nachzutrauern, die an diesem Tag eben nicht da sind. Dazu möchte ich gern mal ein Zitat in den Raum stellen, das meiner Meinung nach ziemlich zutreffend ist.

Gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

Gib mir den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann

und gib mir die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

Dieser Spruch hängt in Form einer Postkarte an dem Platz an der Wand, von dem ich gerade schreibe. Wie treffend. Manchmal finde ich es schwierig zu differenzieren was ich ändern kann und was eben nicht. Vielleicht will ich es auch manchmal nicht differenzieren, weil diese Einsicht ein Gefühl der Hilflosigkeit und Machtlosigkeit vermittelt. Kontrollverlust. Ich wollte immer über alles die Kontrolle haben. Mein Leben hatte eine bestimmte Struktur, Pläne waren gemacht – natürlich alles gekrönt mit ein bisschen Perfektionismus. Meine Wohnung war nicht sauber, sondern rein. Meine Leistung war nicht gut, sondern herausragend. Das war mein Leben. Da passt so etwas wie die unberechenbare MS natürlich nicht hinein, oder?!

Vieles hat sich geändert. Nicht alles daran ist schlecht, eben einfach ein bisschen anders. Man kann eine Krankheit als Feind sehen oder als Chance. Als eine Chance Dinge im Leben zu ändern, die einem nicht gut tun. Loslassen von Altlasten. Chance auf wahres Glück, das man vorher vielleicht nicht erkannt hat oder das man bereits hatte und als selbstverständlich in einer der vielen Aufbewahrungsboxen seines Lebens verstaut hat – ohne Beachtung hat man sie wieder zurückgestellt ins Regal an seinen alten Platz. Da, wo sie eben immer ist. Natürlich würde ich die MS sofort wieder hergeben, wenn ich diese Möglichkeit bekäme. Aber die Option gibt es für mich nicht – also bleibt mir nur das Bestmögliche daraus zu machen und einen Weg zu finden trotzdem glücklich zu sein. Die Chancen zu nutzen, die sich mir bieten und Glück zu erkennen. Es greifen, ganz fest an mich drücken und es nicht mehr herzugeben, es einzuatmen und zu spüren – in jeder Faser meines Körpers. Ich kann mich heute an Kleinigkeiten erfreuen und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich vor zwei Jahren einfach an ihnen vorbeigegangen wäre.

Veränderung spüre ich ganz besonders in meinen Freundschaften. Ich habe mich sehr verändert, bin in einem neuen Lebensabschnitt angekommen und bin an den Herausforderungen enorm gewachsen. Meine engsten Freunde sind noch genau dieselben. Am selben Punkt mit den selben Zielen und Interessen. Bei Treffen fühle ich mich irgendwie entfremdet und nicht dazugehörig, fehl am Platz. Manchmal nicht verstanden und nicht gehört. Ja, manchmal sogar richtig unwohl. Mir wird dann deutlich bewusst, dass sich vieles verdammt verändert hat. Ich habe andere Interessen, einen anderen Standpunkt und auch ganz andere Möglichkeiten als meine Freunde. Dann sagt mir meine innere Stimme klar und deutlich: „Julia, du bist krank. Und das ist ab jetzt und für immer so.“ Das tut sehr weh und macht mich unendlich traurig. Ich habe oft große Angst davor Freunde zu verlieren. Eben einfach, weil sich alles um mich herum so sehr verändert. Aber auch Freundschaften aufrecht zu erhalten ist für mich schwer, weil es mich jedes Mal aufs neue daran erinnert, dass es nicht so ist wie früher. Diese Treffen machen es mir deutlich bewusst. Natürlich durchlaufen wir in unserem Leben viele Abschnitte und das unabhängig davon, ob wir krank sind oder gesund. Nicht jeder Freund geht mit dir durch alle Phasen des Lebens. Wenn man so einen Freund hat, sollte man ihn besonders festhalten und hat echtes Glück, wenn ihr mich fragt. Vielleicht hatte man mit einigen Freunden eine sehr intensive Freundschaft mit vielen Unternehmungen und Gemeinsamkeiten und irgendwann wird es weniger, weil man sich in andere Richtungen entwickelt. Aus welchem Grund auch immer. Deshalb ist aber das, was man Jahre geteilt hat, nicht weniger wert.  Das bedeutet nicht, dass wir dem Anderen weniger wichtig sind und die Freundschaft an Wert verliert. Es ist einfach nur anders. Ich habe sehr damit gekämpft und auch viele Tränen vergossen, weil ich das Gefühl hatte mir entgleitet alles. Von manch einem war ich ziemlich enttäuscht, weil ich das Gefühl hatte alleine gelassen zu werden. Alleine mit der Last, die ich nun auf dem Rücken trage. Ich hätte mir von manch einem mehr Unterstützung gewünscht. Und ja, deshalb bin ich auch enttäuscht. Aber vielleicht kann man das nicht von Jedem erwarten. Nicht jeder hat die nötige Empathie und das Feingefühl dafür. Nicht Jeder ist stark genug dafür. Manch einer möchte sich vielleicht auch gar nicht damit auseinandersetzen, weil sein Leben gerade gut und zufriedenstellend ist und solch eine Thematik zeigt wie vergänglich das Leben ist. Dass es auch jederzeit dich treffen könnte. Somit gerät die Leichtigkeit aus den Fugen und das macht dem ein oder anderen vermutlich Angst, weshalb er abblockt. Ja, Freundschaften verändern sich. Das ist nicht einfach – für beide Seiten. Auch die Freunde haben ja einen veränderten Menschen vor sich und müssen damit erstmal zurecht kommen. Seitdem ich es von dieser Seite betrachte, geht es mir deutlich besser. Ein Perspektivwechsel ist ab und an hilfreich.

 

 

 

Veränderungen können eine Chance sein. Man muss sie nur erkennen und ergreifen.

 

4 Kommentare zu „Veränderungen

  1. Das hast Du sehr treffend beschrieben- da finde ich mich in Vielem wieder. Auch bei mir sind die Freundschaften anders geworden- und weniger. Ich habe einfach Probleme mit Oberflächlichkeiten. Das ist sicherlich auch nicht für alle einfach…
    Fühl Dich gedrückt, LG JuSu

    1. Liebe JuSu,
      Schön, dass du meinen Beitrag gelesen hast und dich darin wieder finden kannst. Das stimmt, so eine Erkrankung verändert einen. Für Oberflächlichkeiten hat man dann einfach irgendwie keinen Nerv mehr.
      Ich drück dich

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