Positives Gedankengut

Vom Alleinsein

Ich möchte mich heute einem ganz besonderem Thema widmen – dem Alleinsein. Bestimmt fühlen sich einige von euch angesprochen. Wie ist das für euch mit dem Alleinsein? Ein Segen oder eher ein Fluch? Wie geht es euch ganz alleine mit euch sebst?

Früher war das Alleinsein für mich ein Ding der Unmöglichkeit, etwas schlechtes, ja sogar fast schon eine Strafe. Mir fiel es enorm schwer alleine zu sein, es quälte mich. Es verursachte innere Unruhe in mir, löste bei mir Stress und Panik aus und führte dazu, dass ich nonstop irgendetwas tun musste. Bloß nicht zur Ruhe kommen, nachdenken und mit Gefühlen umgehen müssen, die dabei hoch kamen. Ein Tag auf der Couch, wenn man nicht krank ist – Wer braucht denn sowas?

Wo liegt der Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit?

Ich denke, dass viele Menschen das Alleinsein mit Einsamkeit gleichsetzen. Für mich war es früher ein und dasselbe oder das Eine führte zum Anderen. Was. Für. Ein. Blödsinn. Ich denke, dass es ein längerer Lernprozess ist an diesen Punkt zu gelangen, an dem man sich sagt: Hey, alleine zu sein ist manchmal sogar ziemlich cool. Schließlich hat man auch Zeit gebraucht um zu lernen wie man läuft, wie man isst, wie man spricht. Und ja, vielleicht brauchen wir eben auch Zeit das Alleinsein zu lernen. Der eine braucht für diesen Prozess länger und bei dem Anderen funktioniert es einfach früher. Das ist auch völlig in Ordnung, da jeder Mensch verschieden ist und sein ganz individuelles Tempo hat.

IMG_8702.jpgVielleicht sind wir aber alle wie Seifenblasen und müssen uns vom Rest lösen, damit unsere einzigartige Form entdeckt wird und wir wunderschön schimmern. Vielleicht können wir uns nur dann frei fühlen – wenn wir los lassen und vor allem: uns vertrauen, uns auf uns selbst verlassen. Uns alleine sicher fühlen. Wir uns unseren Fähigkeiten bewusst sind.

Mittlerweile genieße ich es sogar richtig mal nur Zeit für mich zu haben und nehme sie mir auch regelmäßig. Ich wohne gern allein. Ich koche gern allein, nur für mich. Ich schlafe gern alleine ein und wache gern allein wieder auf. Das bedeutet nicht, dass ich nicht viel lieber mit jemandem an meiner Seite aufwache. Nein, einfach nur, dass ich auch alleine glücklich bin. Ich verbringe bewusst Zeit mit mir selbst, und das gerne und lerne mich immer und immer mehr kennen – und wisst ihr was? Ich mag mich! Ich lerne mich in letzter Zeit auf eine ganz besondere Art und Weise kennen und entdecke vieles an mir, das ich noch gar nicht kannte. Das ist wirklich spannend. 😉

Früher machte mir allein zu sein Angst. Für mich bedeutete es irgendwie verloren zu haben. Es galt als verschwendete Zeit nichts zu unternehmen, niemanden zu treffen, innere Unruhe und ein unglaublicher Druck lasteten auf mir und sagten laut: „Jetzt tu schon was!“. Was bin ich froh, dass diese innere hektische Stimme nicht mehr da ist. Neben vielen weiteren unglücklichen Angewohnheiten und Denkmustern konnte ich mich zum Glück auch davon verabschieden. Leicht war es nicht, aber je mehr man sich darin übt, desto besser klappt es. Irgendwann wird eine Verabredung mit sich selbst – sei es zum Spazieren, zum Lesen, zum Schreiben, zum Sport oder auf was auch immer man Lust hat – selbstverständlich und fehlt einem auch, wenn man „sich länger nicht getroffen hat“. Genauso geht es mir auch mit Freunden oder Familie. Das war schon immer so, doch dass ich mir selbst fehle, das ist absolut neu für mich.

Sitze ich hier – wie jetzt gerade – alleine in meiner Wohnung, so bin ich noch lange nicht einsam. Ich fühle mich wohl, sicher und geborgen und habe im Hinterkopf die Gewissheit, dass ich von vielen Menschen geliebt und geschätzt werde.

Man darf sein Glück nicht von anderen Menschen abhängig machen.

Man sollte sich immer dessen bewusst sein, wer man ist und was einen ausmacht. Dass man ganz tief in sich drin ein Glücksempfinden hat, das von äußeren Umständen nicht zerüttet werden kann. Diese können unsere Stimmung kurz- oder langfristig beeinflussen, aber solange unsere Grundhaltung positiv ist und wir mit unserem Leben, unserem ich, zufrieden sind, kann uns nichts und niemand etwas anhaben. Ich denke, dass man Glück erst an andere weitergeben kann, wenn man seines unabhängig von jedem Anderen gefunden hat. Dass man die Gewissheit hat, dass man alleine glücklich ist und die Anwesenheit bestimmter Menschen unser Glück noch viel viel größer machen kann.

IMG_8043.jpgIch kann von sehr großem Glück reden, solch tolle Menschen an meiner Seite zu haben, die mit mir durch Dick und Dünn gehen. Die meine Hand nehmen, wenn ich Sicherheit brauche. Die mich hochziehen, wenn ich am Boden liege. Die mit mir lachen aber genauso mit mir weinen. Die mir von Tag zu Tag immer wieder aufs neue Lichtstrahlen schicken, wenn sich mein Horizont verdunkelt. Ich bin ab und zu alleine, aber dank Euch niemals einsam. 🙂

Ich danke euch dafür 🙂

Eure Julia

5 Kommentare zu „Vom Alleinsein

  1. Ha! Sag mal, sind die Fotos in Gent aufgenommen worden? Ich war auch dieses Jahr im April da und da war ein Platz vor einer Kirche wo eben solche Seifenblasen losgelassen worden sind 😀

    Und das Alleinsein: Ich bin da ganz das Gegenteil. Ich brauche und brauchte schon immer meine Zeit zum Alleinsein. Ich werde nervös, wenn ich ich zu lange zu viele Menschen um mich herum habe. Dann bekomme ich das Bedürfnis, mich zurück zu ziehen, zum Alleinsein, zum chillen, zum Recherchieren und Lesen was mich interessiert. Mir ist nie langweilig, einsam fühle ich mich auch nicht.

    Viel mehr Menschen sollten sich den Luxus gönnen, mal allein zu sein. Nicht erreichbar zu sein.

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